Der Wintergolf

Neues vom Straßenrand (3)

Eigentlich müsste dieser Artikel ja heißen: Neues aus der Kategorie "also sowas". Als ich nämlich gestern die Heckklappe meines treuen Gefährts öffnen wollte, war da etwas, das nicht da war.

Da ist etwas, das nicht da ist

(Wie das Nummernschild vor dem Wochenende aussah, ist hier zu sehen.)

Für den freundlichen TÜV-Mitarbeiter heute Morgen war die Sache klar.

"Die hat Ihnen einer abgeknibbelt."

"Och. Kann die sich nicht auch von alleine gelöst haben?"

"Die Dinger kleben so bombenfest, die gehen nicht von alleine ab."

Sprach's und klebte mir eine. Eine Neue.

Jetzt fährt meine alte TÜV-Plakette also an einem fremden Auto durch die Kaiserstadt. Ist natürlich billiger, sich irgendwo eine gebrauchte Plakette abzuhebeln, als sich auf dem üblichen Weg eine neue zu verschaffen.

Sachen gibt's. Vor allem in Aachen. Oder ist jemandem so etwas schon mal in einer anderen Stadt passiert? Die Redaktion bittet um sachdienliche Hinweise. Auch auf den derzeitigen Aufenthaltsort einer etwa sieben Wochen alten, runden braunen HU-Plakette.

[Geschrieben für das AZ/AN-Blog, 7. April 2008]

Neues vom Straßenrand (2)

Oh bleicher Tod...

War da nicht noch was? Ach ja, das Begrüßungsschreiben für Neubürger von der Aachener Stadtverwaltung, auch "erstes Knöllchen in der neuen Heimat" genannt. Am Samstag lag nun endlich die amtliche Bescheinigung über meine Einbürgerung im Briefkasten.

Zur Erinnerung: Vor drei Wochen wurde der Verfasser dieser Zeilen durch eine Verkettung widriger Umstände - schuld war nur ein brennener Zwiebellaster auf der A 4 - man muss geradezu sagen: genötigt, sein Kraftfahrzeug ausnahmsweise ein einziges Mal anders abzustellen, als er es sonst als gesetzestreuer Bürger grundsätzlich immer, außerdem nur für ganz, ganz wenige Minuten, und überhaupt.

Überwachungskraft Nummer Dreihundertsoundso des Fachbereichs Sicherheit und Ordnung war allerdings trotz später Stunde nicht nur auf Zack, sondern leider auch vor Ort. Ein drohend gelber Zettel unterm Wischerblatt löste Schweißausbrüche aus: Welch drakonische Strafe mögen die Stadtväter in ihrem gerechten Zorn für den frevelhaften Gesetzesbruch verhängen?

Nun die Gewissheit in der Post. Zittrige Finger rissen hektisch den Umschlag auf. Oh Gott, vom Oberbürgermeister höchstpersönlich! Unter dem amtlichem Dekret prangte das Urteil:

...und dann die Erleichterung

Hu. Man war gnädig mit dem Neuankömmling. Ich werde den Wagen doch nicht verkaufen müssen.

Damit endet die Geschichte meines ersten Öcher Knöllchens. Einbürgerung abgeschlossen, Patient lebt noch. Hoffentlich kauft sich Überwachungskraft Dreihundertsoundso was Hübsches von dem Geld.

[Geschrieben für das AZ/AN-Blog, 6. April 2008]

Neues vom Straßenrand

Eigentlich habe ich doch überhaupt nichts gemacht. Wenn, dann nur ganz kurz. Keine fünf Minuten, ach was sag ich, keine Viertelstunde! Auf jeden Fall nicht länger als eine Halbe. Und jetzt das.

Was für eine bodenlose...!

Ich meine, was hätte ich denn tun sollen? Die ganze Innenstadt war voller Autos gestern Abend. Das Aachener Kreuz war dicht, wegen des brennenden Zwiebellasters auf der A4. Weit und breit war keine Parklücke mehr frei und wegen des Dauerstaus konnte ich auch nicht einfach wenden und wieder zurück. Ich musste ja nur kurz in die Wohnung, schnell eine Stulle einwerfen, und gleich wieder weiter. Leerer Bauch sucht nicht gern, logisch, oder?

Verdammt, dabei bin ich noch gewarnt worden. Die Öcher Politessen sind auf Zack, hieß es, sie sind gnadenlos und überall. Und immer - sogar noch um 19.30 Uhr.

Das ist so ungerecht. Da stehen ständig Autos an derselben Stelle, ich kann mich jeden Tag drüber aufregen. Die schreibt auch keiner auf. Und erst der Bürgersteig! Alles voller Hundehaufen. Ein Minenfeld. Man müsste sich wirklich mal beschweren. Für alles haben sie Geld.

A propos Geld. Was kommt da eigentlich auf mich zu? Fragen wir das allwissende Internet. Mein Gott, das versteht ja keiner. 35 Euro, kann das sein? Für die paar Minuten? In der Wikipedia steht, dass "bei Vorliegen besonderer Umstände wie dem Notstand" doch gehalten werden darf. Könnte man da nicht...? Nein?

Na schön. Was soll's. Immerhin nicht abgeschleppt, ha! Sei's drum. Ein richtiger Mann sieht seinen Fehler ein und zahlt seine Buße, ohne die Ruhe zu verlieren. Rumjammern ist was für Weicheier. Wie bitte? Das war kein Jammern, das war ein... geistiges Auseinandersetzen mit einem Sachverhalt. Wird ja wohl erlaubt sein.

Verbuchen wir's unter Neubürgerbegrüßung. Man ist erst wirklich zu Hause in einer Stadt, wenn man sein erstes Knöllchen unterm Scheibenwischer hatte. Also: Moin Oche!

[Geschrieben für das AZ/AN-Blog, 14. März 2008]

Wieder mal unterwegs II

Der eigentliche Anlass meiner Fahrt in alte Heimaten war allerdings ein anderer.

Woanders ist es auch schön

Aber das ist eine andere Geschichte und soll anderswo erzählt werden.

Hierhin gehört allerdings, dass mich nach vollbrachten fliegerischen Glanztaten* der Navi-Knubbel erst glücklich weit hinein nach Wuppertal in eine abgelegene Gegend führte, wo inmitten eines tief schlafenden Wohnviertels ein freundlicher Subaru-Händler mit einer 24-Stunden-LPG-Tanke wartete...

Zu Besuch beim freundlichen Subaru-Händler

...und mich dann, als ich schon wieder auf der Autobahn und fast schon in Düsseldorf war, unbedingt auf die A59 lotsen wollte, die mich geradewegs zurück nach Leverkusen und auf die A1 brachte, die ich eine Stunde vorher bei Wuppertal verlassen hatte. Was für ein Riesenumweg.

Navis. Liebt sie oder hasst sie.

* A good landing is any landing you can walk away from. A great landing is when you can use the airplane again.

Wieder mal unterwegs I

Kleiner Zweitagestrip in alte Heimaten: Erst Siggi besucht, der dem Golf neue Bremsschläuche verpasste, die Bremsflüssigkeit wechselte, das gerade einsetzende Quietschen der hinteren Bremsen mit Kupferpaste beseitigte sowie nun auch der Beifahrertür eine Colorglasscheibe verpasste -

Innenansichten - oh je, oh je...

- oh Gott, die sieht innen ja noch schlimmer aus als die Fahrertür. Die Gummidichtung zieht offenbar durch Kapillarwirkung Feuchtigkeit an und so nistet sich der Rost ein. Verdammt. Da hilft nichts mehr - Rostumwandler drauf und Fett unter die Dichtung, damit der Gilb zumindest verlangsamt wird. Aber in ein paar Jahren müssen wohl neue Türen her. Kaum hat man eine Baustelle beseitigt, tut sich die nächste auf...

Ist halt ehrgeizig, einen runtergerittenen Fast-Geschenkt-Wagen über Jahre fahren zu wollen. Mal gucken, wer länger durchhält, Golfi oder ich.

Schwellenangst

Wird mal Zeit, dass ich von der Schwellerschweißaktion im Februar berichte. Also, das war so...

Das geht ja gut los...

Es fing schon mal gut an. Die lieben Eltern besucht, das Colorglas für die Seitenscheiben eingepackt und auf dem Rückweg Station bei Siggi gemacht. Unmittelbar vor Neuenkirchen/Vörden dann dieses Schild, also Steuer rumgerissen und gerade noch rechts raus gekonnt. Es folgte eine halbe Stunde mit Höchstgeschwindigkeit über üble Feldwege - sowas kann man auch nur mit Navi machen. Immerhin, ich lag am Ende ganz gut in der Zeit.

Hast du Durchblick?

Bei Siggi ging es dann gleich gut weiter. Der TÜVie hatte ja bemängelt: "Schweller durch Korrosion geschwächt". Nun ja: Wie man nach den ersten Aufräumarbeiten hier sieht, war das noch untertrieben. Das Foto zeigt die das vordere Ende auf der Beifahrerseite, fast senkrecht hochfotografiert. Mit den Schwellern des Golf III hat es nämlich folgende Bewandtnis: Die haben auf der Unterseite so einen eigenartigen Längssteg,...

...und die andere Seite ist auch nicht besser.

...hier besonders gut erkennbar, der eigentlich keinerlei Funktion zu haben scheint als bei unsachgemäßem Aufbocken plattgedrückt zu werden. (Auf diesen Bildern ist er bereits wieder aufgerichtet worden.) Woraufhin natürlich der Unterbodenschutz aufplatzt, Feuchtigkeit sich einnistet und die Schweller am Ende zur Wagenentlüftung beitragen.

Einmal anpassen bitte

Da hilft nur: blankes Blech. Es wird geschnitten, gebogen und mit Zangen angepasst.

Eine neue Briefmarke drauf

Einmal rechts...

Einmal links, einmal rechts

...und einmal links. So wird der Steg wieder halbweg stabil. Drauf aufbocken wird man den Wagen aber auch in Zukunft nicht können...

Ständig wird am Golf geschweisst

Die Nähte werden anschließend schön glattgeflext, zwecks Optik. Dann wird durch einen herausgeprokelten Gummistopfen an der Schwellerunterseite die Spritzdüse für das Hohlraumwachs eingefädelt. Und - pffffffschhhhht - das neue Blech von innen versiegelt.

...und zum Schluss ein Spritzer U-Bodenschutz

Zum Schluss werden die Schweller noch mit weißem Steinschlagspray übergetüncht.

Rost am Gumminupfel, nicht schön

Auch der angerostete Gumminupfel unter der Rückbank kriegt bei dieser Gelegenheit eine Ladung verpasst.

Fertig. Fast wie neu. Und wieder ein Stückchen Wartungsstau beseitigt...

Historisches

Im Forum wird gerade gefragt, welche Hinterlassenschaften irgendwelcher Vorbesitzer wir schon in unseren Autos gefunden hätten. Nachdem ich Golfi 2006 vom Hof eines Thüringer Renault-Händlers gekratzt hatte, musste er natürlich für den fälligen ersten TÜV under new Management ordentlich herausgeputzt werden. Dabei kam im unzugänglichen Spalt hinter der Windschutzscheibe dies zum Vorschein:

Lückenlose Parkhistorie ab 1998

Eine nahezu lückenlose Parkhistorie seit 1998. Scheint ein konstruktiver Mangel beim Dreier-Golf zu sein: das ticketfressende Armaturenbrett (vgl. Charlie Brown). Sicher lässt der Schäuble sowas bald allgemein ab Werk einbauen, damit seine potenziell terroristischen Landeskinder ihre Tatfahrzeuge nicht einfach unbemerkt irgendwo hinstellen können. Wo kämen wir hin.

Thekenglück

Heute Morgen, 9.15 Uhr. Schrottplatz. Verkaufstresen.

"Ich bräuchte für einen Golf III das Gelenk, an dem die Sitzlehnen bei einer geteilt umklappbaren Rückbank in der Mitte befestigt sind. Kann ich mir das irgendwo rausschrauben?"

"Das verkauf ich nicht einzeln."

9.25 Uhr, Volksagen-Zentrum Trierer Straße. Teiletresen.

"Genau, dieses Ding da in der Mitte zwischen den Lehnen. Können Sie mir sagen, was das kostet?"

"Moment... ja, das liegt bei 7,59 Euro."

Glück gehabt. Beim Schrotti wäre ich noch bereit gewesen, 10 bis 15 Euro auf den Tisch zu legen.

Mangelhaft

Jetzt habe ich es doch getan. Und das, obwohl ich diesen unsäglichen Quatsch so lange boykottieren wollte wie möglich. Seit heute Morgen zieren zwei neue Plaketten den alten Golf. Eine gute und eine schlechte.

Gute Plakette

Das ist die gute Plakette: "Fälligkeit nächster HU - Monat 01 - Jahr 10" hat der nette Mitarbeiter vom TÜV Rheinland in den Kfz-Schein gestempelt. Ich mag es, wenn der Tag mit "geringen Mängeln" anfängt (Bremsschlauch vorne links, Fangband der Fahrertür, Rost am Schwellerkopf Beifahrerseite). Ich weiß gar nicht mehr, wann zum letzten Mal eins meiner Autos ohne Wiedervorführung und größere Reparaturen durchgekommen ist. Und diesen Wagen wollte keiner mehr haben, damals.

Böse Plakette

Das hier ist die böse Plakette. Feinstaub. Stufe 4 - grün - ist natürlich an sich gut, denn damit darf ich jetzt sogar wieder nach Köln, in eine von Deutschlands zwei ersten Feinstaub Umweltzonen. Genau, in die heilige Innenstadt linksrheinisch sowie nach Deutz und Mühlheim, wo man seit dem 1. Januar ohne Plakette nicht mehr reinkommt.

Und deren Bewohner, sofern sie einen Benziner mit U-Kat oder einen älteren Diesel fahren, für den es keinen Partikelfilter zum Nachrüsten mehr gibt, über Nacht schlichtweg enteignet wurden. Ja, Omi, du musst dir jetzt ein neues Auto kaufen, auch wenn du nur noch zweimal im Monat zum Grab deines Mannes fährst. Nein, Omi, es spielt keine Rolle, dass du vor ein paar Jahren noch für teuer Geld einen Oxi-Katalysator hast einbauen lassen.

Saubere Luft ist eine wunderschöne Sache, und ich bin absolut für eine Förderung von Abgasreinigung. Macht Partikelfilter zur Pflicht bei Neuwagen, gebt einen Steuerbonus für die Nachrüstung, soweit sie denn industrieseitig möglich ist. Da Neu- und Geschäftsfahrzeuge ohnehin den Löwenanteil des Verkehrs auf deutschen Straßen ausmachen, hättet Ihr so in kürzester Zeit den gewünschten Effekt. Wobei wir allerdings ausblenden sollten, dass der ganze Umweltzonenkäse die Feinstaubbelastung in Städten nur um stolze 2-3 Prozent senken dürfte. Und dass man mit der geschätzten Milliarde Euros, die der Mist an Verwaltung, Schildern, Umrüstung und Neuanschaffung von Autos und sonstigen Ausgaben kosten wird, auch viele andere schöne Sachen machen könnte. Abgesehen davon, dass Omi dann noch zum Friedhof fahren könnte.

Aber nein, es muss ja die ganz, ganz große Lösung sein. Die vollen 100 Prozent. Da kann man auf Großmütter keine Rücksicht nehmen, das müssen Sie verstehen, gute Frau.

Manchmal möchte man an diesem Land verzweifeln. Dieses völlig fehlende Gefühl für Verhältnismäßigkeit. Dieses Koste-es-was-es-wolle. Dieses totale Ignoranz der Bürokraten gegenüber dem Bürger. Dieser Unwille, nach Lösungen zu suchen, die ebenso zum Ziel führen, aber den Menschen etwas mehr entgegenkommen.

Da tröstet es denn auch nicht, dass das blöde Bapperl nur 5,50 Euro gekostet hat. Manche Plaketten haben ihre Mängel woanders.

[Originalbeitrag in der Rubrik Webweit im AZ/AN-Blog]

Strahlemann

Ich weiß. Es ist bloß die Winterschlampe. Nur ein oller Golf III in der Allerweltsfarbe Weiß. Er hat vermutlich mehr als 280.000 Kilometer auf der Uhr und er hat mich seinerzeit ganze 100 Euro gekostet.

Sieht er nicht aus wie mindestens 150 Euro?

Trotzdem habe ich ihn gestern auf Hochglanz poliert. Den Innenraum gesaugt. Kleine Lackschäden mit Farbe abgetupft. Nicht nur, weil ich nächste Woche mit ihm zum TÜV muss. Ich kann einfach nicht anders. Ich bin so. Auch mein Winterauto soll mir gefallen, wenn ich es angucke.

Und sagt selbst: Sieht er nicht mindestens wie 150 Euro aus?

Der Prophet spricht:

"Wahrlich, ich sage euch: Wenn sie die letzte E-Klasse zum Schrott gebracht haben, werden sie in einem W123 zurückfahren."

Kommentare:

Ach komm...
...wenn Du kaskoversichert bist, ist es ja halb so...
SG (anonym) - 2008/08/14 16:48
Das hätte ich dann...
Das hätte ich dann wieder schon so cool gefunden,...
Tippling - 2008/07/28 12:10
Kondome? ;-)
Kondome? ;-)
Moritz (anonym) - 2008/07/28 12:04
Heyho
Das sehe ich ja jetzt erst, das ist ja bei mir umme...
Leipnizkeks (anonym) - 2008/07/24 04:11
Naja...
Hätte sich der Krieg in Europa noch ein wenig...
SG (anonym) - 2008/07/10 08:24
Gute Reise!
Und viel Spaß in Skandinavien! Gruß /Roma n
Roman (anonym) - 2008/06/10 07:26

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