2007-09: Nordlichter

Heute schon geclaimt?

Die Begegnung mit dem so gekonnt beschrifteten Lloyd-Laster bei Bremen (siehe unten) hat mich doch so verzückt, dass ich darüber am Montag nach der Reise glatt noch einen Blog-Beitrag für meinen Brötchengeber verfassen muss: Neues von der A1.

Nordlichterbesuch IV: Sitzpolsterworkshop

Am Samstag, nach einem Zwischenstop in Oldenburg, steht noch etwas Nettes auf dem Programm. Nils zeigt in Rödinghausen (das liegt im Kreis Herford), wie man Sitze wieder aufpolstert.

Mal wieder eine Schrauberhalle...

Zwei Testfahrzeuge stehen bereit, um beide Sitz-Varianten des W123 abzudecken: Eine Limo (links) und ein Coupé (rechts).

Was fehlt auf diesem Bild?

Der Fahrersitz wird ausgebaut, indem die vier Halteschrauben am Wagenboden gelöst werden. Dann sind noch die beiden Unterdruckschläuche für die Lehnenverriegelung abzuziehen. Der Ausbau ist übrigens wesentlich einfacher gewesen als der Wiedereinbau...

Die berühmten Taxistücke

Die legendären Taxistücke: Dicke Schaumstoffklötze, original von Mercedes-Benz. Gehören von der Form her eigentlich in irgendwelche Tonnenfedern und kommen in der unglaublich praktischen Stückzahl 3 (drei), also garantiert immer eins weniger oder mehr, als man braucht.

Blick in einen Coupé-Fahrersitz

Um den Bezug vom Sitz abzuziehen, setzt man sich am besten drauf, um den Federkern zusammenzudrücken. Das ist mein Coupésitz, erkennbar am Unterdruckschlauch vorne.

Vorne Taxistücke, hinten Schaumstoffbrocken

Mein Federkern war zum Glück heil. Die Aufpolsterung konnte sich auf zwei Taxistücke vorne und vier Schaumstoffklötze im hinteren Bereich beschränken. Der Spender-Schaumstoff wurde aus einer MAN-Sitzlehne ausgesägt.

Zwei gebrochene Sitzfedern


Bei diesem Sitz sind zwei Federn gebrochen.

Aus Stahlröhrchen wird eine Stabilisierung gefertigt


Aus einer Metallröhre sägt Nils Stücke heraus, die über die gebrochenen Federenden gestülpt werden.

Außerdem muss bei dem oben gezeigten Sitz noch ein Bruch im Rahmen der Sitzlehne geschweißt und eine Rückenstrebe festgenietet (beziehungsweise geschraubt) werden. Fertig!

Zum Schluss gibt es noch ein paar Goodies für den Moorbraunen: Nils hat in aufwändiger Plättchentauscharbeit das Türschloss der Beifahrertür repariert. Es war während des vierjährigen Interregnums von 2001 bis 2005 festgerostet (damals in der Fahrertür - ich habe dann einfach die Griffe getauscht). Nach zweieinhalb Jahren kann ich endlich wieder die rechte Tür von außen auf- und zumachen. Ein ganz neues Komfortgefühl. Ich ahne, was erst eine Zentralverriegelung bedeuten muss.

Dann bekommt der Wagen noch eine frisch aufgeladene neue Riesenbatterie eingebaut - eine Spende meines Vaters. Und Nils probiert die Wirkung eines Edelstahlpflegemittels namens Chromol an den matten Fensterleisten meines Zweitürers. Phänomenal. Hoffentlich hält es den typischen Aachener Regen aus. Von den speziellen Niederschlägen des Ostviertels ganz zu schweigen.

Moorbraun meets Moorstübchen

Dann wird's nochmal gemütlich: Youngtimertreffen am Hücker Moor. Moorbraun meets Moorstübchen. Drei Stunden lang wird nett Blech geredet.

Rückfahrt. Leverkusen ist fast so schön wie Belgien

Nach einem letzten Schlenker über Bad Salzuflen und die alte Wahlheimat Bielefeld geht es endgültig wieder nach Aachen. Fünf Bundesländer in sechs Tagen - ein Urlaub wie ein Road Movie. Jetzt ist er zu Ende.

Auf dem sprichwörtlichen letzten Tropfen Pöl (es sind also mindestens 100 Kilometer ab Aufleuchten der Reservelampe drin, einmal musste das ja ausgetestet werden) rollen wir nach über 1.500 Kilometern wieder in der Kaiserstadt ein.

Nordlichterbesuch III: An die Arbeit

Was mich an dieser Stadt wirklich schlaucht, sind die Entfernungen. Vielmehr: Die Zeit, die man braucht, um Entfernungen zurückzulegen. Aus meinem lässig zu Bjørn dahingesagten "dann bin ich in ner Viertelstunde bei dir in Norderstedt" wird im Feierabendverkehr eine gute Stunde.

Hamburger Humor oder Panda-Humor?

Blick im Stau aus dem Seitenfenster. Ist das der Galgenhumor der Hamburger an sich? Oder nur der von Pandafahrern?

Industrieromantik im Real-Parkhaus

Im Real-Markt von St. Pauli gibt es kein Pöl mehr. Dafür entschädigt die düstere alte Halle des Parkdecks mit morbidem Industriekulturcharme.

Ölnebel am Kühlwasserschlauch

Björn und sein Schrauberkollege Thomas nehmen sich der Inkontinenz an der Front des Motorblocks an. Um den Kühlwasserschlauch vor dem sprühenden Ölnebel zu schützen, habe ich ihn mit Panzerband abgeklebt.

Die offene Unterdruckpumpe

Hauptverdächtiger ist die Unterdruckpumpe. Der über 27 Euro teure Reparatursatz von MB enthält eine Gummischeibe, drei Schräubchen und eine Mini-Tube Locktite. Der Dichtring zum Motorblock ist in diesem Spottpreis natürlich ebensowenig inbegriffen wie für die Dichtung für den Pumpendeckel, der hier im Bild offen ist.

Das Set kommt dann aber doch nicht zum Einsatz, weil's aus der Membran definitiv nicht heraussifft. Thomas erneuert die Dichtung zum Motorblock (hatte ich gottseidank schon ein paar Tage vorher gekauft) und versieht den Deckel mit Dichtmasse.

Aber wo der Wagen schon mal auf der Bühne ist, kann man ja auch mal einen Blick drunter werfen...

Längsträger vorne: Rost

...auch, wenn man davon nicht unbedingt glücklicher wird. Rost am Längsträger...

Querträger Hinterachse: Rost

...Rost am Querträger...

Radlaufkante hinten: Rost

...und Rost an der Radlaufkante. Womit der Wagen die Winterpause verbringt, ist damit klar.

...schön dick Fertan drauf. Schadet nicht und riecht gut.

Bjørn pinselt großzügig Fertan auf die Wunden. Das ändert zwar nichts am Problem, aber wenigstens riecht's gut.

Die Radlager hinten haben auch Spiel und müssen neu. Das alte Lied: ein Problem beseitigt, fünf neue entdeckt.

Nordlichterbesuch II: 'n büschen umtun

Wenn man schon mal an der Waterkant ist, kann man sich auch mal 'n büschen umtun, wie man so sagt.

An der Binnenalster - unter Palmen

Gepflegt 'n Käffchen unter den Palmen an der Binnenalster schlürfen...

Roller zu fotografieren ist unsäglich provinziell

...sich als Tourist outen und englische Youngtimer* auf dem Jungernstieg fotografieren (ich bin sicher, Ortsansässige versinken bei derlei provinziellem Tun regelmäßig vor Scham im Boden)...

*Man beachte, dass dieses Gefährt - dessen Nummernschild ich wie üblich unkenntlich gemacht habe - mit Saisonkennzeichen bewegt wird!

Hamburg - das Venedig des Nordens

...am Rathaus verstehen, warum Hamburg das Venedig des Nordens genannt wird...

Das Rathaus

...und an dessen Turm...

Karl der Große war hier

...feststellen, dass man sich hier auch gerne mit Aachener Federn schmückt. Nanana. Karl der Große gehört aber woanders hin.

Trotzdem: Schön hier. Sogar das Wetter.

Doch alles hat mal ein Ende. Es gilt, frisches Pöl zu organisieren und wieder dem ewigen Ruf der Straße zu folgen. Natürlich nach Norden. Kiel lockt. Das legendäre Nordlichtergrillen am Mittwochabend. Der Höhepunkt der Reise.

Der historische Grillplatz in Kiel

Die Junx vonner Küste sind schon hart. Die treffen sich nicht in einer Halle, Kneipe oder sonstigen Lokalität. Bei denen ist die Hauptsache, dass der Boden befestigt ist. Gegen die ortstypische steife Brise schützt etwas Bewuchs, der auch Essensreste dankbar aufnimmt. Das langt schon. Sind halt immer noch halbe Wikinger.

Nach etwas sanftem Druck *ahem* wird am Ende doch noch an einer Shell-Tanke ein Grill samt Kohle und Anzünder gekauft. So können die mitgebrachten Tierleichen schließlich ihrer natürlichen Verwendung zugeführt werden. Ein schöner Tag endet, ganz wie's sich gehört, am Lagerfeuer.

Nordlichterbesuch I: Nach oben. Und dann immer geradeaus.

Hinter Osnabrück fängt allmählich der Norden an. Die Heimat. Das Land mit dem weiten Himmel und den geraden Horizonten. Wo bei Sturm die Möwen zu Fuß gehen und die Lastwagen Werbesprüche tragen, die in ihrer Klarheit nicht mehr zu verbessern sind.

"Lloyd. Wir bauen Schiffe". Perfekt.

Dat is'n annern Snack as neulich in Aachen der Zentis-Lkw mit dem unsäglichen Ausspruch "Viel Frucht. Feel good".

Hamburch wiederum, die spröde Hanseatin, weiß durch coole Locations zu bezirzen.

Ich mag solche Brücken.

Ungefähr so sieht die Brücke aus, auf der Roman das Coupé mit é am Dienstagabend fast noch abgelichtet hätte, aber eben nur fast. Leider war ich eine Stunde zu spät vor Ort. Leider war es schon zu dunkel, als wir endlich durch die ganze verdammte Riesenstadt gecruised waren. Leider fing es an zu regnen.

Also am nächsten Morgen selber ein paar Bilders gemacht. Die entsprechende Location ist im Navi gespeichert unter "Deutschland / Hamburg / Am Fährkanal".

Das perfekte Panorama. Hinten St. Pauli.

Sternenklare Sicht

Es herrscht sozusagen sternenklare Sicht. Das da im Hintergrund sind die Landungsbrücken von St. Pauli...

Die "Bugsier 17". Dahinter die "Rickmer Rickmers"

...hier haben wir die "Bugsier 17" vor der "Rickmer Rickmers"...

Erinnerungen im Sand. Und wenn's nur an die letzte Party ist

...und wer beim Anblick dieses verwehten Kronenkorkens nicht melancholisch wird, hat den Norden nicht verstanden.

Dünenbenz

Zurück zum Auto, oben, an Düne 17. Es gibt noch viel zu tun. Viel zu entdecken, viel zu schrauben, alte und neue Freunde zu treffen, Bier zu trinken und vor allem, viele Kilometer abszuspulen.

Nichts wie weg

So. Die Sonderseite steht morgen im Blatt. Ein ewig langer Tag ist endlich vorbei. Um acht Uhr morgens war ich schon Richtung Waldfeucht unterwegs (das ist im Kreis Heinsberg und ein klein wenig abgelegen), um internettende Teenager zu fotografieren. Zwölf Stunden später stand die Seite.

Jetzt habe ich den Rest der Woche frei. Hamburg, Kiel, Ostwestfalen, vielleicht Oldenburg. Wenn ich mich doch nur drauf freuen könnte. Wenn hier nur nicht so wahnsinnig viel Arbeit liegen würde. Egal. Ich verschwinde einfach. Nur ein paar Tage raus.

Ach, was soll's. Wird sicher schön. Seeluft schnuppern. Vielleicht schöne Fotos machen. Vielleicht bisschen Grillen. Was Schrauben am Benz. Samstags Youngtimertreffen - Moorbraun meets Moorstübchen in Hücker-Aschen.

Jetzt freu ich mich doch.

Der Prophet spricht:

"Wahrlich, ich sage euch: Wenn sie die letzte E-Klasse zum Schrott gebracht haben, werden sie in einem W123 zurückfahren."

Kommentare:

Ach komm...
...wenn Du kaskoversichert bist, ist es ja halb so...
SG (anonym) - 2008/08/14 16:48
Das hätte ich dann...
Das hätte ich dann wieder schon so cool gefunden,...
Tippling - 2008/07/28 12:10
Kondome? ;-)
Kondome? ;-)
Moritz (anonym) - 2008/07/28 12:04
Heyho
Das sehe ich ja jetzt erst, das ist ja bei mir umme...
Leipnizkeks (anonym) - 2008/07/24 04:11
Naja...
Hätte sich der Krieg in Europa noch ein wenig...
SG (anonym) - 2008/07/10 08:24
Gute Reise!
Und viel Spaß in Skandinavien! Gruß /Roma n
Roman (anonym) - 2008/06/10 07:26

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