Letzte Fahrt

Ein Amerikaner bringt den geliebten Führer ans Grab

Nun also hat die Welt Abschied genommen vom "Geliebten Führer" Nordkoreas, Kim Jong-Il. Und während die Analysten und Kommentatoren der politischen Landschaft noch spekulieren, wie sich die Lage auf der geteilten koreanischen Halbinsel weiter entwickeln wird, können wir Autoliebhaber uns entspannt zurücklehnen - unsere brennendste Frage ist nämlich beantwortet.

Es sind keine alten russischen Zils oder Tschaikas, die den Sarg des Diktators, ein riesiges Porträt sowie einen meterhohen Kranz in der gigantischen Trauerzeremonie durch die verschneiten Straßen von Pyöngyang fahren, flankiert von Geländewagen, die wir Sternenkundler natürlich sofort als G-Modelle von Mercedes erkennen.

Klare Kante - der Lincoln ist eindeutig ein Kind der Siebziger

Die New York Times hat das Rätsel gelüftet (beziehungsweise über die Blogger berichtet, die es getan haben). Die drei wuchtigen Schlitten mit den kantigen Linien und dem typischen Chromzierrat der 70-er Jahre sind: Lincoln Continentals, wohl von 1975 oder 76. Ausgerechnet Limousinen des meistgehassten Feindes durften das Staatsoberhaupt des letzten stalinistischen Landes der Welt zu Grabe fahren?

Das sei so erstaunlich nicht, zitiert die NYT die Korea-Expertin Kongdan Oh. Die drei makellos gepflegten Dickschiffe waren bereits 1994 bei der Beerdigung von Kim Jong-Ils Vater Kim Il-Sung dabei. Und auf nichts legt das Regime derzeit so viel Wert wie auf einen geräuschlosen Übergang der Macht auf den Enkel, Kim Jong-Un. Kontinuität geht da über alles. Und wir dürfen sicher sein, dass die Kommentatoren im nordkoreanischen Staatsfernsehen ihr Publikum auf diesen bizarren Nebenaspekt nicht aufmerksam gemacht haben. Außerdem, so Kongdan Oh, lebten die Nordkoreaner ohnehin weitgehend ein Siebziger-Jahre-Leben.

W123 Lang in Pyöngyang

Der Rest der Begräbniskolonne war, aus automobiler Sicht, mal wieder eine Stuttgarter Leistungsschau der vergangenen vier Jahrzehnte. Von den trotz Schneegestöbers offenen militärischen G-Klassen über einen Schwarm moderner S-Klassen bis zu den bei nordkoreanischen Offiziellen immer noch so beliebten W123ern fuhr alles im Tross mit, was totalitäre Regimes seit eh und je an deutscher Wertarbeit so schätzen. Wie gesagt: Man legt halt Wert auf Kontinuität.



Wer mag, kann sich hier ein fast sieben Minuten langes Video der Prozession ansehen, schauerlich untermalt vom Heulen der Massen am Straßenrand.

Schickes Schuhwerk

Frische Felgen und respektierliche Radkappen (beziehungsweise, im Daimlerdeutsch: Radzierblenden) sind ja das Aushängeschild eines Autos. Zeig mir, wie du rollst, und ich sag dir, was du fährst. Oder bist. Oder so. Verkatschte Baumarkt-Pentastern-Alus in Bremsstaub-Anthrazit mit 225er-Schlappen verwandeln jedes scheckheftgepflegte Rentnermobil in eine prolide Pornomöhre.

Neues Schuhwerk

Auch Flockis Felgenabdeckungen wiesen nach 17 Jahren die eine oder andere Narbe vom rauhen Parkkampf mit den Bordsteinen Mitteleuropas auf. Da die schlichten Silberlinge meinem schmucklosen Buchhalterbenz ausgezeichnet stehen, fiel mir der Verzicht aufs Upgrade zu MB-Leichtmetallfelgen leicht.

Allein, der freundliche Mercedes-Stützpunkt nimmt wahrlich selbstbewusste Preise für die Plastikdeckel, auch wenn der Extra-Chromrand der Elegance-Version gar nicht dran ist. 160 Euro für einen Komplettsatz? Dafür gibt's ja fast schon vier Pentastern-Alufelgen aus dem Baumarkt!

Was soll's, Ebay ist mein Freund. Und Flockis Freund. Hej, wie das blinkt. Es geht einfach nichts über gediegene Schuhe. Und im Gegensatz zu denen des Fahrers quietschen diese hier nicht mal, bis Paypal die Lastschrift eingezogen hat.

Importware

Man dürfte nicht übertreiben, wenn man schreibt, dass die krisengewürgte US-Metropole Detroit sich in puncto Glamour-Faktor hinter Duisburg-Ruhrort oder Marl-Mitte nicht zu verstecken braucht. Um so erstaunlicher, dass der noch vor kurzem ähnlich strahlend beleumundete Autobauer Chrysler einen ungeheuerliche zwei Minuten langen Werbespot während der Übertragung des jüngsten Superbowls schaltete, der mit einer Kamerafahrt durch die trostlosen Industrievororte der einst so stolzen Motown beginnt. "What does a town that's been to hell and back know about the finer things in life?", fragt der Sprecher.



Tipp: Lautsprecher an, Vollbild.

Der "Zwei-Minuten-Spot", über den danach ganz Amerika sprach, ging als der mit den meisten Zuschauern in die Fernsehgeschichte ein. Kosten: zwei Millionen Dollar. In Nebenrollen: Rapper Eminem und der neue Chrysler 200 - "imported from Detroit".

Man muss schon sagen: Das Ding ist echt gut gemacht. Wird nicht leicht für Wolfsburg und Rüsselsheim, da nachzuziehen.

(Zu den Hintergründen der "Wiedergeburt" von Chrysler nach der Zwangsheirat mit Fiat hat die New York Times gerade eine lesenswerte Geschichte gebracht. Hübsche Fotos aufgegebener Großbauten in Detroit gibt es auf Forgottendetroit.com.)

Wunschkennzeichen

AC-W 123: Was für eine Verschwendung...

Samstagabend, nach dem Ikea-Einkauf, auf der N281 bei Heerlen: spontaner Anfall von Nummernschildneid. Typisches Männerleiden.

Die kleinen Dinge

Ja, Flocki hat uns prima gefahren. Einmal Portugal und zurück bitteschön. Über Mont Saint-Michel, quer durch die Bretagne, die Atlantikküste runter mit einem Abstecher zur Dune du Pilat, dann über die Pyrenäen nach San Sebastian, mit einem Tagestrip nach Bilbao, schließlich quer durch Norspanien zum Lago de Sanabria, dann nach Porto, von da aus die Küste hoch zum Kap Finisterre, wieder nach Osten nach Santiago de Compostela, zurück ins baskische Logrono, dann nach Pamplona, über Canfranc die Pyrenäen durchquert, Lourdes besucht, in Feurs gecampt und von da aus zurück nach Aachen.

6300 Kilometer, und außer der Batterie hat nichts gezickt (und die war eh schon ziemlich im Eimer) (und wozu hat man schließlich den ADAC-Plus-Schutzbrief). Das nennt man ein dankbares Auto.

Endlich greift der Daumen nicht mehr ins Leere!

Dafür gibt's auch eine Belohnung. Fürs Auto, dessen Innenraum deutlichst aufgewertet wird. Und für den Fahrer, dessen Daumen nicht mehr ins Leere greift. Ist das Auto nett zum Mensch, ist der Mensch auch nett zum Auto.

Ach, wo wir schon mal großzügig sind...



...kümmern wir uns auch gleich mal um die inneren Werte unseres hohen C. Teilenummer B66920102, falls ihn jemand nachbestellen möchte. Creature Comforts Cupholder C-Class.

Endlich hat dieses dusselige Staufach mal eine richtige Funktion, nachdem sich auf der Portugalfahrt ständig Kameras und Navigationsgeräte drin verkantet haben.

(Die Schalthebelplakette hat 202 267 09 34.)

Moorbraun.de

Ein Blog über alte und noch ältere Autos mit und ohne Stern, über Reisen auf vier und zwei Rädern und den ganzen Rest

Der Prophet spricht:

"Wahrlich, ich sage euch: Wenn sie die letzte E-Klasse zum Schrott gebracht haben, werden sie in einem W123 zurückfahren."

Kommentare:

Vielen Dank für...
Vielen Dank für die Mühe. Dem Text sind viele...
Kris (Gast) - 2011/09/02 22:10
Aber das...
...war doch Fiat-Bashing von Spiegel-Online - ich hab...
Tippling - 2011/08/04 10:24
Danke,
fand ich als Fiat-afficionado sehr interessant. Damit...
SG (Gast) - 2011/08/04 10:06
Glückwunsch
Das REsultat kann sich aber wirklich sehen lassen....
Frank (Gast) - 2011/07/21 16:44
Sehr, sehr chic :) Bin...
Sehr, sehr chic :) Bin ein großer Fan deines...
mara887 (Gast) - 2011/07/01 07:37
Glückwunsch!
Das sieht doch nach einem guten Kauf aus. Darf man...
SG (Gast) - 2011/06/29 08:23

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